Mitglieder und Lieferanten blicken über den Branchentellerrand
Hochkarätige Referenten wie der Sportarzt und DFB- und FIFA-Schiedsrichter Dr. Markus Merk, der Börsenspezialist Frank Lehmann und der Wirtschaftsjournalist Erik Händeler gaben Einblicke in ihre jeweiligen „Welten“. Aber natürlich kam auch der Informationsaustausch untereinander nicht zu kurz. Die großzügig angesetzten Pausen sowie der Abend boten reichlich Gelegenheit zum intensiven Gespräch zwischen Mitgliedern und Lieferanten.
Eröffnet wurde das Werkzeugforum von Notker Pape, E/D/E Geschäftsführer PVH, Logistik und IT, der in seiner Begrüßung kurz den Unterschied zwischen Branchentreff und Forum darstellte. „Beim Branchentreff geht es im Dialog zwischen Mitgliedern und Lieferanten um die Verbesserung der Geschäftsbeziehungen. Das Forum hingegen ist eine Plattform, bei dem das tägliche Geschäft eher etwas in die Hintergrund rückt. Hier geht es vielmehr um den Blick über den Tellerrand durch Vorträge qualifizierter Referenten zu aktuellen Themen unserer Zeit.“ In seinem anschließenden Referat ging Notker Pape kurz auf die E/D/E Umsatzentwicklung der vergangenen Monate ein und gab einen Ausblick auf die erwartete Entwicklung der kommenden Monate. „12 Monate Hochkonjunktur liegen hinter. Auch die nächsten Monate werden für uns sehr positiv verlaufen, allerdings nicht mehr mit den enormen Steigerungen wie in den ersten Monaten dieses Jahres.“ Aber auch die E/D/E Langfriststrategie „Challenge 2012“ sowie der Lagerneubau und die Logistikerweiterung waren Punkte, die Notker Pape vorstellte.
Wir bewegen uns in gegensätzlichen Welten
Das Thema von Dr. Markus Merk lautete „Gegensätzliche Entscheidungswelten“. In seinen Vortrag verdeutlichte er, dass es viele Parallelen zwischen der Welt eines Schiedsrichters und der des Unternehmers gibt. „Ich muss den Menschen im Stadion und den Mannschaften auf dem Spielfeld das Gefühl vermitteln, sicher in meinen Entscheidungen zu sein, auch wenn diese Entscheidungen nicht immer richtig sein können.“ Voraussetzung für einen guten Schiedsrichter - wie auch für einen erfolgreichen Unternehmer - als Top Spielführer ist die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. In seinem wie auch in jedem anderen Business gilt es, die definierten Regeln umzusetzen. Trotzdem können vorhandene Entscheidungsspielräume genutzt werden, wobei natürlich das Wohl des Projekts – in diesem Fall der Verlauf des Spiels - immer höchste Priorität hat.
Als Grundlagen seines Erfolges sieht Dr. Markus Merk die von ihm definierten fünf Basiswerte. Diese sind: Begeisterung, 100 Prozent Identifikation, ein starker Wille, Mut sowie die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. „Diese Werte sind das Gerüst für meine Arbeit – sowohl als Schiedsrichter wie auch als früherer selbständiger Zahnarzt oder auch als aktiver Entwicklungshelfer in Indien.“
Kondratieffs Welt
In eine komplett andere Welt tauchte Wirtschaftsjournalist Erik Händeler ein, der in seinem Vortrag das Thema Wohlstand nach der Industriegesellschaft aufgriff. Grundlage seiner Überlegungen sind die „großen“ Konjunkturzyklen, die so genannten Kondratieffs. Diese konjunkturellen Wellen – benannt nach dem gleichnamigen russischen Wirtschaftswissenschaftler aus dem vorigen Jahrhundert – zeigen, welchen Einfluss Bahnbrechende Entwicklungen auf die Wirtschaften der Welt hatten und diese veränderten. Solche Entwicklungen treten in Zeitabständen von 40 bis 60 Jahren auf. So beispielsweise die Entwicklung der Dampfmaschine, die die gesamte Textilindustrie revolutionierte, oder der Bau der Eisenbahn, durch den sich Entfernungen leichter überwinden und Güter effizienter transportieren lassen. Auch die Elektrifizierung, der Siegeszug des Autos und die damit gewonnene individuelle Mobilität sowie aktuell die Informations- und Kommunikationstechnologie sind solche Entwicklungen, die global wirken.
Welche Auswirkungen diese Entwicklungen auch auf den Bereich der Arbeit haben können, zeigt der Einsatz von Handys. Das Handy ist heute fester Bestandteil des Informationszeitalters. Doch nicht allein der Kauf des Handys plus Vertragabschluss führt zu einer Ankurbelung der Wirtschaft. Der Nutzen des Handys liegt vielmehr darin, dass die Menschen effektiver arbeiten können und heute jederzeit mobil Absprachen und auch Entscheidungen treffen können. Dies führt – vereinfacht gesagt - zu einer enormen Zeitersparnis und somit zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität.
Der Blick in die Geschichte zeigt, dass in der Vergangenheit immer die Länder erfolgreich waren, die es am besten verstanden haben, diese Bahnbrechenden Entwicklungen für sich optimal zu nutzen. Nach Kondratieff ist dies auch die Erklärung, warum Weltreiche verschwanden und neue entstanden bzw. wirtschaftlich starke Länder schrumpfen und andere expandieren. „Natürlich lässt sich unsere Zukunft nach Kondratieff nicht voraussagen, doch meiner Meinung nach steht fest, dass auch in Deutschland trotz aller Veränderungen nicht die Arbeit ausgehen wird. Allerdings wird sie sich extrem wandeln. Die Produktion wird nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. An ihre Stelle tritt die Wissensarbeit. Die Kunst wird sein, die heute eher individuellen Strukturen zu einem Universalgebilde zusammen zu führen. Gelingt uns dies, haben auch wir gute Chancen auf dem Weltmarkt“, sagt Erik Händeler.
Die Welt der Börse
„Wie stehen die Aktien?“ wurde der bekannte Fernsehjournalist Frank Lehmann in der Vergangenheit häufig gefragt. Seiner Meinung nach wird der Aktienmarkt in den kommenden Jahren einen Boom erfahren, denn viele Deutsche erkennen erst jetzt die Attraktivität dieser Geldanlage. Hinzu kommt, dass der Aufschwung stabil ist und Deutschland vor etwa vier Jahr von internationalen Investoren als Anlagemarkt entdeckt wurde. Ein Beispiel hierfür ist der Inder Lakshmi Mittal, der heute größter Stahlproduzent der Welt mit einem Marktanteil von ca. 20 Prozent ist. Außerdem hat sich die Einstellung vieler Unternehmer geändert. Galt in den Jahren 1998 bis 2000 noch die Maxime Wachstum um jeden Preis (die Jahre zwischen 2001 und 2004 war die Zeit von Cash Flow und Dividende), so ist seit etwa 2004 ein Trend zum so genannten werthaltigen Wachstum zu erkennen. Ein Beispiel hierfür ist das Unternehmen Linde, das durch Zukäufe enorm an Substanz zulegen konnte. „Die nächsten zwei bis drei Jahre wird der globale Aufschwung anhalten, allein schon getragen durch die Entwicklung in Asien. Aber es kommt auch zu globalen Verschiebungen. Europa verzeichnet schon heute eine bessere Entwicklung als z.B. die USA. Darüber hinaus werden Branchen boomen, die heute noch eher ein Schattendasein fristen, so der Rohstoffmarkt oder die Bereiche Umwelttechnik und regenerative Energien. Aber eine Garantie kann natürlich niemand geben, denn
zu 80 bis 90 Prozent wird das Geschehen an der Börse durch Psychologie bestimmt. Nur auf einen Indikator kann man sich verlassen: Steigen die Gewinne der Unternehmen, steigt auch der Dax“, so die Einschätzung von Frank Lehmann.