Treffen in Eisenach mit Rekordbeteiligung
Wie schon in der Vergangenheit bewährt, setzte sich auch dieses Forum aus drei Bestandteilen zusammen. Ein Komplex mit qualifizierten Fachvorträgen zu teils stahlrelevanten Themen, einem klassischen Branchentreff zur intensiven Kommunikation der Marktteilnehmer, sowie einem Rahmenprogramm mit Besichtigung, diesmal des ehemaligen Salz- und Kali-Bergwerks Merkers.
Hans-Jürgen Adorf, Vorsitzender der E/D/E Geschäftsführung, ging in seinem Referat auf die Entwicklung des E/D/E allgemein und natürlich die Entwicklung der Union Stahl-Handel im Besonderen ein. In diesem Jahr wird der Stahlbereich mit einem Umsatzvolumen von rund 550 Millionen Euro abschließen, was einem Zuwachs von 16,2 Prozent entspricht. „Dies ist das beste Ergebnis in der Geschichte der Union Stahl-Handel, der so zu Beginn des Jahres nicht absehbar war“, sagte Hans-Jürgen Adorf. Die erforderlichen Veränderungen im Lieferantenkreis haben letztlich eine große Chance geboten, neue Perspektiven für die Union Stahl-Handel zu entwickeln. Diese Chancen wurden von unserem Team und den Mitgliedern konsequent genutzt. Auch für das kommende Jahr blickt der Vorsitzende der E/D/E Geschäftsführung optimistisch in die Zukunft, denn die Rahmenbedingungen für die Branche bleiben positiv. „Wir erwarten nochmals eine Steigerung um über 10 Prozent auf dann etwa 650 Millionen Euro.“ Die Union Stahl Handel hat sich damit in den letzten Jahren zu einem bedeutenden Standbein innerhalb des E/D/E entwickelt.
Fachreferate
Das Eröffnungsreferat zum Forum hielt Dr. Norbert Hagen von der I.C.M. Investmentbank, der das Thema Hedgefonds behandelte. „Grundsätzlich sind Hedgefonds eine seit vielen Jahrzehnten existierende und interessante Anlageform, die teils überdurchschnittliche Renditen verspricht. Heute managt die Hedgefondsindustrie ein globales Geldvolumen von 10.000 Milliarden Dollar. Hier bei uns in Verruf gekommen sind die Fonds vor allem durch die so genannte Heuschreckendiskussion, bei der es in der Regel immer um die Filettierung und damit Ruinierung oft gesunder Unternehmen geht. Durch solche schwarzen Schafe wird eine ganze Branche in Mitleidenschaft gezogen“, zieht Dr. Norbert Hagen Bilanz.
Das zweite Referat des Tages wurde von Dr. Olaf-Roman Baron von Engelhard, Mitglied des vierköpfigen Konzernvorstandes und Mitglied der Geschäftsführung der Holding Mittal Steel Germany, gehalten, der den Teilnehmern die Person Lakshmi Mittal näher brachte und über die Erfolgsstrategien dieses Unternehmers berichtete. Vor 30 Jahren stieg der damals 26jährigen Lakshmi Mittal ins Stahlgeschäft ein, als er von seinen Eltern mit der Sanierung eines maroden Stahlwerks in Indonesien beauftragt wurde. Was sich daran anschloss, ist eine beispiellose Erfolgsgeschichte, die im vergangenen Jahr mit der feindlichen Übernahme des größten Konkurrenten Arcelor ihren bisherigen Höhepunkt hatte und sein Unternehmen damit mit großem Abstand zur größten internationalen Steelcompany machte. „Doch trotz dieser Errungenschaften ist und bleibt der charismatische Lakshmi Mittal bodenständig. Für ihn zählen traditionelle Grundwerte, und auch die Familie genießt einen hohen Stellenwert. So ist sein ältester Sohn, der ihn in vielen Punkten sehr ähnlich ist und genauso visionär denkt, bereits in verantwortlicher Position im Konzern tätig. Durch diese Nachfolge wird natürlich garantiert, dass diese Erfolgsgeschichte nicht zu Ende geht, sondern eine weitere Fortsetzung erfährt“, sagt Dr. Olaf-Roman Baron von Engelhard.
Entwicklung der Stahlbranche
Im zweiten Teil des Tages widmeten sich die Referenten in ihren Vorträgen der Entwicklung der Stahlbranche in Deutschland in den kommenden Jahren. So informierte Peter Albrecht von PriceWaterhouseCoopers die Teilnehmer über die wichtigsten Steel - Deals des Jahres 2007 und wagte einen Blick in die nahe Zukunft. „Die Stahlproduzenten nehmen eine Sandwich-Position zwischen den Rohstofflieferanten auf der einen und den großen Abnehmern auf der anderen Seite ein. Trotz steigender Nachfrage wird die Konsolidierung der Branche weiter voranschreiten. In diesem Umfeld entstehen Nischen für Spezialanbieter, die klein aber fein höchst profitabel produzieren können. Die Stahlbranche der Zukunft wird also alles andere sein als ein Zusammenschluss ganz weniger schwergewichtiger Riesen“, so die Einschätzung von Peter Albrecht.
Ein ähnliches Bild, allerdings bezogen auf den Stahlhandel, zeichnete Dr. Christian Timmreck von der WGZ Corporate Finance Beratung den Teilnehmern. Die WGZ mit genossenschaftlichen Wurzeln hat sich vor allem auf die Beratung beim Kauf und Verkauf von inhabergeführten Unternehmen spezialisiert. Seiner Meinung nach werden die Produktionskapazitäten in den kommenden Jahren die Nachfrage übersteigen, so dass auf Distributionsseite ein Konzentrationsprozess einsetzen wird, bei dem schätzungsweise 30 Prozent der heute bekannten Anbieter in den kommenden Jahren von Markt verschwinden werden. „Doch trotzdem hat der regional tätige Stahlhändler in diesem Umfeld gute Chancen, wenn er sich nicht nur auf die Massenwaren, sondern verstärkt auf die Nischenprodukte konzentriert und seinen Kunden einen Mehrnutzen über Dienstleistungen bieten“, zieht Dr. Christian Timmreck sein Fazit.
Zwischen den einzelnen Referaten sowie am Abend des ersten Seminartages fanden die Teilnehmer immer wieder Gelegenheit für intensive Gespräche. „Genau diese Mischung aus hochkarätigen Fachreferaten und dem kommunikativen Branchentreff für die Teilnehmer aus Industrie und Stahlhandel machen den Erfolg unserer Veranstaltung aus. Der große Zuspruch mit insgesamt über 160 Teilnehmern gibt uns Recht, dass die Branche solch eine Plattform zum Informationsaustausch braucht. Für uns ist dieses Feedback Motivation genug, in gut anderthalb Jahren das 8. Union Stahl-Forum zu planen“, so das abschließende Resümee von Heinz-Alfred Liebig, Leiter Union Stahl-Handel im E/D/E, der für diese erfolgreiche Veranstaltung die Verantwortung trug.